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von Dirk Weige

 
     
  Gedankenverloren
Dirk Weige
 
 

Der heiße Tee roch verführerisch nach Kirschen und nach Minze. Rubinrot glitzerte das Getränk dampfend aus dem Mug und wärmte Hände, die das Gefäß eng umschlossen.
Vor dem Fenster war die Temperatur bereits deutlich unter zehn Grad Celsius gefallen. Die Oktobersonne versank hinter dem Häusermeer der Stadt und viele kleine oder größere Lichter versuchten vergeblich, die Helligkeit des Tages wieder herzustellen.
Gerade hatte eine sonore Männerstimme Nachrichten verlesen, die über unsichtbar in den Wänden eingelassenen Lautsprechern in der Wohnung zu hören waren. Die Stimme sprach von Maßnahmen und strikten Regeln, welche in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässig worden seien und dass die Regierung nun durchgreifen würde.
Ein saures Lächeln umschmiegte seinen Mund, dachte er doch daran, dass eben diese Regierenden mit Gesetzen und Bestimmungen, mit Verordnungen und Erlassen daran mitgewirkt hatten, dass es solche Auswüchse und Ungereimtheiten in der Wirtschaft geben konnte. Na ja, er wollte aber nicht ungerecht sein, denn ursächlich war wohl die Gier nach mehr für diese große weltwirtschaftliche Krise verantwortlich. Dass irgendwann Menschen auf Ideen kamen und verschleiernde Verpackungen erschufen, Produkte lancierten, deren Inhalte und Wirkungszusammenhänge selbst von sogenannten Fachleuten nur noch mäßig oder gar nicht mehr erfasst oder gar verstanden wurden, das war geradezu erwartbar.
Zumindest sah er es so und so etwas war auch nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Geldes und des Handels vorgekommen.
Seine Augen umspielten kleine Fältchen, als er schmunzelnd an seinen alten Professor dachte, der regelmäßig in seinen Vorlesungen den Satz einstreute:

"Man könne aus der Geschichte lernen, nur keine Sau tut's!"

Vielleicht einwenig zu streng und schwarzseherisch, aber leider doch zu häufig nicht weit von der erlebten Realität entfernt.

Die Wärme des Tees durchzog seinen Körper, wenn er vorsichtig nippend, schlückchenweise trank.
Er mochte die kalte Jahreszeit!
Nicht mehr lange und er würde wieder eine neue Weihnachtsgeschichte ersinnen. Das hörte für ihn einfach auch zu dieser kalten Zeit.
Wenn die pralle Sonne heiß herunterbrannte und es viel zu trocken war, dann fühlte er sich regelmäßig schlapp und unkreativ, nutzlos und an die ganzen Mückenschwärme, die ihn dann regelmäßig belagerten und attackierten, an die mochte er erst gar nicht denken.
Hitze war einfach nicht sein Ding! ...

 
 
Kurzgeschichte, ca. 2 Seiten DIN-A4.
Geschrieben in Berlin/Deutschland.
In ungekürzter Länge zu hören im Podcast
"Autorenlesung auf diweli.de" (Aad.),
Folge 20.
 
     
 

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